Die peinlichsten, nervigsten, unangenehmsten Momente – werden oft die besten Geschichten.
Im Moment fühlt es sich scheiße an.
Peinlich. Nervig. Grenzwertig.
Aber im Nachhinein?
Wird es oft zu genau der Geschichte,
die du Jahre später immer noch erzählst.
Die Wohngemeinschaft, die mich fast wahnsinnig gemacht hat
Ich hatte mal einen sehr guten Freund.
Wir zogen zusammen in unsere erste eigene Bude:
Eine Dreizimmerwohnung mit riesigem Dachboden.
Unsere erste WG.
Am Anfang war alles cool.
Doch mit der Zeit kamen die Macken ans Licht.
Vor allem seine:
Überempfindlich beim Schlaf, laut stampfend beim Gehen,
schnell wütend, wenn man mal lachte –
besonders, wenn mein lauter Kumpel zu Besuch war.
Er platzte regelmäßig mit rotem Kopf in mein Zimmer,
brüllte rum, machte mir Vorwürfe.
Ich schämte mich oft, fühlte mich blockiert.
Und gleichzeitig war da diese Doppelmoral:
Er selbst war nicht gerade leise.
Irgendwann konnte ich ihn kaum noch ertragen.
Doch als er auszog,
kam etwas Unerwartetes:
Ich vermisste ihn.
Sein Getrampel. Seine Wut.
Sein Gerede über Gott und die Welt.
Alle seine vermeintlich weniger wichtigen negativen Macken habe ich vermisst. Die Konflikte, die Diskussionen.
Ich habe gemerkt, dass Reibungen Schwung in dein Leben bringen. Dich zum Nachdenken bringen.
Es hat mich immer daran erinnert, dass wir auch im derzeitigen Moment dazu in der Lage sein sollten, zu entschleunigen, anstatt zu urteilen.
Du vermisst auch das Nervige
Das ist die verrückte Wahrheit:
Die Eigenarten, die uns im Alltag stören,
werden im Rückblick oft zu Erinnerungen,
die uns fehlen.
Sei es der Kollege, der nervt.
Der Freund, der zu viel redet.
Die Partnerin, die manchmal übertreibt.
Was heute anstrengend ist,
ist morgen oft das,
was deinem Leben Charakter gegeben hat.
Denn alles, was dich triggert, verändert dich
Die peinlichen, nervigen, unangenehmen Dinge
formen dein Leben.
Nicht die perfekten Tage.
Der Streit im Urlaub.
Die Begegnung mit einem schwierigen Menschen.
Der Moment, in dem du mitten in der Stadt auf die Nase fällst.
Das sind keine Fails.
Das sind Kapitel deiner Geschichte.
Die Regel ist einfach:
Alles, was weh tut, ist eine Einladung.
Eine Einladung zum Wachsen.
Eine Einladung zum Erinnern.
Eine Einladung, menschlich zu bleiben.
Trainieren. Lesen. Diskutieren. Streiten.
Immer wenn etwas Reibung erzeugt,
wenn es dich nervt, triggert, anstrengt –
ist da eine Energie.
Und oft: ein Wachstumspotenzial.
Deshalb:
Feier nicht nur die harmonischen Menschen.
Feier die komischen. Die lauten. Die schwierigen.
Die, die Geschichten hinterlassen.